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Beratung

Warum lässt sich der Erfolg von Beratungsprojekten so selten belegen?

Der Erfolg von Beratungsprojekten lässt sich selten belegen, weil die Wirkung erst nach dem Ende des Mandats entsteht und zu diesem Zeitpunkt niemand mehr misst, worauf sie zurückgeht. Zur Häufigkeit dieser Messung existiert branchenweit keine Erhebung. Belegt ist dagegen, dass 44 Prozent der Transformationen in einer Grauzone landen: Es entsteht Wert, aber die Ziele werden verfehlt.

Joachim RiegelGeschäftsführer, SylvAI Bizz GmbH

Es gibt keine Statistik darüber, wie oft Beratungserfolg gemessen wird

Ich habe in vier Anläufen danach gesucht — beim BDU, bei Lünendonk, bei Source Global Research, in der deutsch- und englischsprachigen Fachpresse. Es existiert keine öffentlich zugängliche Erhebung darüber, wie häufig der Erfolg eines Beratungsprojekts überhaupt gemessen wird. Was auffindbar ist, sind Ratgeberartikel ohne Datengrundlage.

Das ist bemerkenswert für eine Branche, die von Messbarkeit lebt und ihren Kunden regelmäßig Kennzahlensysteme baut. Es ist aber kein Vorwurf, sondern ein struktureller Befund: Der Zeitpunkt, an dem sich Wirkung zeigt, liegt außerhalb des Mandats.

Ein Projekt endet mit dem Abschlussbericht. Die Veränderung, um derentwillen es beauftragt wurde, beginnt danach — und ab da ist niemand mehr im Raum, der ein Interesse daran hätte, sie einer bestimmten Empfehlung zuzuordnen. Was fehlt, ist ein Messpunkt außerhalb der Vertragslaufzeit.

44 Prozent landen in der Grauzone

Zur Erfolgsquote von Transformationen kursiert seit Jahrzehnten die Zahl, dass 70 Prozent scheitern. Sie hat keine Datenbasis. Mark Hughes hat fünf publizierte Fundstellen bis zur Wurzel zurückverfolgt und kommt zu dem Ergebnis, dass keine belastbare empirische Evidenz für diese Behauptung existiert (Journal of Change Management, 2011). Der Ursprung sind rhetorische Behauptungen aus den 1990er Jahren.

Belastbar ist eine andere Auswertung. Von den untersuchten Transformationsprogrammen erreichten 30 Prozent ihre Ziele mit nachhaltiger Veränderung. 44 Prozent schufen Wert, verfehlten aber die Ziele und hinterließen kaum dauerhafte Veränderung. 26 Prozent blieben unter der Hälfte des angestrebten Werts (Boston Consulting Group, 2020, 70 begleitete Programme und 825 befragte Führungskräfte, mit offengelegter Erfolgsdefinition).

Die 44 Prozent sind der interessante Teil. Der Normalfall ist die Grauzone: Es passiert etwas, es ist nicht nichts, aber es reicht nicht und es hält nicht. Für eine Beratung ist das der schwierigste Ausgang überhaupt, weil er sich weder als Erfolg noch als Misserfolg erzählen lässt.

Der Markt hat die Antwort längst gegeben

Accenture erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 69,67 Milliarden Dollar. Davon entfielen 35,11 Milliarden auf Consulting mit einem Wachstum von 6 Prozent und 34,57 Milliarden auf Managed Services mit 9 Prozent (Accenture, geprüfter Geschäftsbericht 2025).

Das Verhältnis liegt damit praktisch bei 50 zu 50, und der Umsetzungs- und Betriebsteil wächst schneller. Das sind testierte Zahlen eines börsennotierten Unternehmens, keine Branchenumfrage — im gesamten verfügbaren Material der belastbarste einzelne Beleg zu dieser Frage.

Der Unterschied zwischen beiden Umsatzarten ist nicht nur ein Leistungsschnitt, er ist ein Nachweisschnitt. Ein Managed-Services-Vertrag trägt Kennzahlen in sich: Durchlaufzeiten, Verfügbarkeiten, Stückkosten, meist monatlich berichtet und vertraglich hinterlegt. Wer so arbeitet, muss den Wert seiner Arbeit nicht behaupten, er liest ihn ab — und beim nächsten Vergabegespräch liegt die Zeitreihe bereits auf dem Tisch. Ein Beratungsmandat endet dagegen mit einer Übergabe, und was danach passiert, wird in einem anderen System und von anderen Menschen erfasst. Dass die Kundschaft die eine Form etwas schneller ausbaut als die andere, sagt deshalb wenig über die Qualität der Arbeit und viel über die Verfügbarkeit des Belegs.

Bei den Kunden zeigt sich dieselbe Bewegung als Erwartungshaltung. In einer Befragung US-amerikanischer Führungskräfte hielten 74 Prozent den Wert, den Beratungen schaffen, für zu gering, um ihre Preise zu rechtfertigen (Source Global Research, 2019). Die Erhebung ist alt und auf den US-Markt bezogen; die Richtung deckt sich mit dem, was die Accenture-Zahlen zeigen.

Beide Datenpunkte sprechen nicht gegen Beratung. Sie zeigen, wo der Prüfstein inzwischen liegt: bei der Ankunft einer Empfehlung in der Organisation.

Der IKEA-Effekt erklärt, warum das Konzept überschätzt wird

Menschen bewerten Dinge höher, an denen sie selbst gearbeitet haben. Im Experiment boten Personen, die eine Aufbewahrungsbox selbst zusammengebaut hatten, 0,78 Dollar dafür — für eine identische, fertig gekaufte Box boten Nichterbauer 0,48 Dollar. Beim Falten von Origami wurde es deutlicher: Die Erbauer bewerteten ihre laienhaften Faltarbeiten mit 0,23 Dollar, während unbeteiligte Dritte dafür 0,05 Dollar boten — und für Origami von Experten 0,27 Dollar (Norton, Mochon & Ariely, 2012).

Die Erbauer schätzten ihre eigene Amateurarbeit also fast so hoch ein wie Expertenarbeit. Für Beratungsprojekte heißt das zweierlei. Das Team überschätzt das selbst erarbeitete Konzept, und der Kunde, der in Workshops mitgearbeitet hat, tut es ebenfalls.

Der eigentliche Befund derselben Studie ist aber die Bedingung. Der Effekt verschwindet ohne Fertigstellung: Wer vor dem Abschluss gestoppt wurde, bewertete das Ergebnis mit 0,59 Dollar, wer fertigstellte, mit 1,46 Dollar. Wer ein Lego-Modell baute und wieder zerlegte, zeigte keine erhöhte Wertschätzung. Die Autoren formulieren es so, dass Arbeit nur dann zu höherer Bewertung führt, wenn sie in einer erfolgreichen Fertigstellung endet.

Ein Konzept ohne Umsetzung ist damit die abgebrochene Bauanleitung. Es erzeugt beim Kunden keine Bindung, egal wie gut es ist — und das erklärt ausbleibende Wiederbeauftragungen besser als jede Marktzahl.

Der Punkt lohnt eine Präzisierung, weil er leicht falsch verstanden wird. Fertigstellung im Sinne der Studie meint nicht die Fertigstellung des Konzepts. Der Abschlussbericht ist aus Sicht der Beratung ein vollendetes Werk, aus Sicht des Kunden aber der Moment, in dem die Arbeit erst anfängt. Die beiden Beteiligten stehen an derselben Stelle mit völlig verschiedenen Fertigstellungsgraden — und die Bewertung, die über den nächsten Auftrag entscheidet, ist die des Kunden. Was für ihn zählt, ist die erste Maßnahme, die läuft und ein Ergebnis zeigt.

Das erklärt auch eine Erfahrung, die viele Beratungsinhaber kennen: Je intensiver ein Kunde in Workshops mitgearbeitet hat, desto überzeugter ist er am Übergabetag — und desto größer ist der Absturz, wenn ein halbes Jahr später nichts davon in Betrieb ist. Die hohe Bewertung war an die erwartete Fertigstellung gebunden. Bleibt sie aus, fällt nicht nur die Maßnahme weg, es fällt auch die Bewertung der Vorarbeit in sich zusammen, an der der Kunde selbst beteiligt war. Eine gute Analyse schützt davor nicht. Ein Zeitpunkt nach dem Mandat, an dem jemand nachsieht, schon.

Der Beleg entsteht am Anfang des Projekts

Wer am Ende eines Mandats fragt, was die eigene Arbeit bewirkt hat, rekonstruiert eine Verbindung. Wer sie beim Beschluss festhält, misst sie. Der Unterschied besteht aus drei Angaben, die in die Projektunterlagen gehören, bevor die erste Analyse startet: das Ziel, der erwartete Wertbeitrag und die Bedingung, unter der die Maßnahme beendet wird.

Diese Angaben sollten dem Kunden gehören, nicht der Beratung. Die Beratung schlägt vor, woran der Erfolg erkennbar sein soll — entscheiden und messen muss das Unternehmen. Andernfalls bleibt am Ende eine Erfolgsbehauptung mit Briefkopf.

Für die Akzeptanz ist das mehr als eine Formalie. Gruppen schotten sich mit zunehmender Verweildauer gegen externes Wissen ab, und die Herkunft einer Lösung entscheidet mit über ihre Annahme (Katz & Allen, 1982). Eine Zielgröße, die der Kunde selbst gesetzt hat, überlebt den Abzug des Beraterteams deutlich eher als eine, die im Anhang eines Berichts steht.

Genau dafür ist BizzPlAI als Strategy Execution System gebaut: Der erwartete Wertbeitrag einer Maßnahme wird ab dem Beschluss festgehalten und bleibt auffindbar, auch wenn das Mandat längst beendet ist. Zwölf Monate später steht der realisierte Beitrag daneben, in den Zahlen des Kunden und in dessen System. Daraus entsteht die Referenz, die eine Projektberatung sonst nicht bilden kann.

Prüfen können Sie das an Ihren drei letzten abgeschlossenen Mandaten. Legen Sie für jedes dar, welche Kennzahl sich seither verändert hat und um wie viel. Wo Ihnen das nicht gelingt, fehlt nicht die Wirkung Ihrer Arbeit — es fehlt ihr Nachweis, und über den entscheidet der nächste Auftrag.

Häufige Rückfragen

Warum reicht die Zufriedenheit des Kunden nicht als Erfolgsnachweis?

Zufriedenheit wird am Ende des Mandats erhoben, die Wirkung entsteht danach. Beide Zeitpunkte fallen auseinander. Ein Kunde kann mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden sein und ein Jahr später keine Veränderung im Ergebnis sehen — und genau diese zweite Auskunft entscheidet über die Wiederbeauftragung.

Wie lässt sich Wirkung messen, ohne den Kunden zu bevormunden?

Indem das Wirkungsmaß gemeinsam beim Beschluss festgelegt wird und dem Kunden gehört, nicht der Beratung. Die Beratung schlägt vor, woran der Erfolg erkennbar sein soll; der Kunde entscheidet und misst. Das ist der Unterschied zwischen einem Wirkungsnachweis und einer Erfolgsbehauptung.

Was tun, wenn ein abgeschlossenes Projekt keine Kennzahlen hinterlassen hat?

Rückwirkend lässt sich wenig retten, weil die Ausgangswerte fehlen. Sinnvoller ist es, die Zuordnung beim nächsten Mandat von Beginn an mitzuführen. Für bereits abgeschlossene Projekte bleibt das Gespräch mit dem Kunden über beobachtete Veränderungen — belastbar ist das nicht, aber es ist mehr als nichts.

Quellen

  1. Flipping the Odds of Digital Transformation SuccessBoston Consulting Group, 2020
  2. Do 70 Per Cent of All Organizational Change Initiatives Really Fail?Journal of Change Management (Mark Hughes), 2011
  3. Accenture Reports Fourth Quarter and Full Year Fiscal 2025 ResultsAccenture plc, 2025
  4. The IKEA effect: When labor leads to loveJournal of Consumer Psychology (Michael I. Norton, Daniel Mochon, Dan Ariely), 2012
  5. Big Four consulting projects cost more than expected (Client Perceptions Study)Source Global Research, berichtet in Accounting Today, 2019
  6. Investigating the Not Invented Here (NIH) syndromeR&D Management (Ralph Katz, Thomas J. Allen), 1982

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