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Führung

Was antwortet eine Geschäftsführung auf die Frage nach der Wirkung ihrer KI-Initiativen?

Auf die Frage nach der Wirkung ihrer KI-Initiativen antworten Geschäftsführungen meist mit Aktivität — Projektstände, Meilensteine, Budgetverbrauch. Belastbar wäre der Vergleich zwischen erwartetem und realisiertem Wertbeitrag je Initiative. Wo dieser Vergleich fehlt, entscheidet über die Fortsetzung eines Programms nicht seine Wirkung, sondern die Überzeugungskraft dessen, der es vorträgt.

Joachim RiegelGeschäftsführer, SylvAI Bizz GmbH

Die Frage kommt spätestens im zweiten Jahr

Im ersten Jahr eines KI-Transformationsprogramms fragt ein Beirat nach dem Fortschritt. Im zweiten fragt er nach der Wirkung. Der Unterschied zwischen beiden Fragen ist der Unterschied zwischen einer Präsentation und einer Verlängerung.

Die Antworten, die dann üblicherweise kommen, beschreiben Aktivität: abgeschlossene Meilensteine, eingesetzte Mittel, laufende Vorhaben. Das sind richtige Angaben, und sie beantworten die Frage nicht. Wirkung wäre der Vergleich zwischen dem, was an Beitrag erwartet wurde, und dem, was eingetreten ist.

Der Druck auf diese Frage steigt gerade schnell. 91 Prozent der deutschen Unternehmen halten generative KI inzwischen für geschäftskritisch, nach 55 Prozent im Vorjahr; 82 Prozent planen höhere Budgets, gut die Hälfte davon um mindestens 40 Prozent (KPMG Deutschland, 2025, über 650 Entscheider aus 18 Branchen). Wer Budgets in dieser Größenordnung verschiebt, wird nach ihrer Wirkung gefragt.

Das Gremium, das die Frage stellt, kann sie selbst kaum einordnen

Knapp 60 Prozent der deutschen Vorstände und Aufsichtsräte haben nach eigener Einschätzung wenig oder gar keine KI-Kenntnisse. Zwei Prozent halten sich für sehr sachkundig und erfahren. 49 Prozent sehen Handlungsbedarf bei der Zusammensetzung ihres Gremiums — gut die Hälfte also nicht (Deloitte Deutschland, 2025).

International sieht es ähnlich aus. 66 Prozent der befragten Gremienmitglieder geben an, ihr Board habe wenig bis keine Kenntnis oder Erfahrung mit künstlicher Intelligenz, und bei 31 Prozent steht das Thema überhaupt nicht auf der Agenda (Deloitte Global Boardroom Program, 2025, 695 Befragte in 56 Ländern, überwiegend Board-Mitglieder).

Daraus folgt eine unangenehme Konstellation. Die Frage nach der Wirkung wird von einem Gremium gestellt, das die Antwort fachlich nur begrenzt prüfen kann. In dieser Lage entscheidet nicht die Belastbarkeit der Antwort über die Fortsetzung eines Programms, sondern die Überzeugungskraft dessen, der sie vorträgt. Das ist für beide Seiten die schlechteste Grundlage.

Der Zeithorizont für den Nachweis ist länger als der Berichtszyklus

Über zwei Drittel der KI-Verantwortlichen sagen, der Ertrag müsse über längere Zeiträume betrachtet werden — zwei Jahre und mehr. Gleichzeitig hat nur ein knappes Drittel ganze Arbeitsprozesse umgestellt, und 5 Prozent nutzen KI-Agenten für eine grundlegende Neugestaltung der Leistungserbringung. In Deutschland stellen 41 Prozent der Organisationen höchstens 10 Prozent ihres Technologiebudgets für KI bereit, gegenüber 33 Prozent im Länderdurchschnitt (Deloitte, ROI of AI, deutscher Cut 2026, 1.854 Führungskräfte in 14 Ländern, davon 249 in Deutschland).

Das Sample ist positiv ausgewählt — befragt wurden nur Organisationen mit mindestens einer produktiven KI-Anwendung. Umso deutlicher ist der Befund: Selbst dort, wo bereits etwas läuft, ist der Nachweiszeitraum länger als der Rhythmus, in dem berichtet wird.

Damit entsteht eine Lücke, die keine Fleißarbeit schließt. Wer erst im Bericht anfängt, Wirkung zu belegen, kommt zu spät — die Ausgangswerte fehlen, und die Zuordnung von Maßnahme zu Ziel lässt sich rückwirkend nur behaupten.

An dieser Stelle lohnt ein Schritt zurück. An diesem Muster ist nichts neu und nichts KI-spezifisch. Dieselbe Lücke entsteht bei jeder Reorganisation, jeder Systemeinführung und jedem Markteintritt, dessen Wirkung nach dem Berichtszyklus eintritt. Neu ist allein, dass bei KI die Ausweichmöglichkeit fehlt: Wo ein Gremium die Sache fachlich beurteilen kann, trägt sein Urteil über die Beleglücke hinweg. Wo es das nicht kann, bleibt nur die Zahl.

Die naheliegende Lösung erzeugt ein neues Problem

Genau deshalb ist der übliche Reflex eine Kennzahl. Man definiert eine Messgröße je Ziel, berichtet sie quartalsweise und knüpft im besten Fall die Vergütung daran. Je weniger ein Gremium den Inhalt beurteilen kann, desto attraktiver wird diese Verkürzung — und desto teurer.

Surrogation bezeichnet die Verwechslung der Kennzahl mit dem Ziel, das sie abbilden soll. Führungskräfte behandeln die Messgröße dann so, als wäre sie das strategische Konstrukt selbst. In zwei Experimenten zeigte sich der Effekt am stärksten, wenn auf eine einzelne Kennzahl eines Ziels vergütet wurde, und deutlich schwächer bei mehreren Kennzahlen desselben Ziels (Choi, Hecht & Tayler, The Accounting Review, 2012).

Das bekannteste Beispiel dafür ist teuer geworden. Wells Fargo maß Cross-Selling als Stellvertreter für die Qualität von Kundenbeziehungen. Am Ende standen 3,5 Millionen ohne Zustimmung eröffnete Konten (Harris & Tayler, Harvard Business Review, 2019).

Für den Bericht an den Beirat heißt das: Eine einzelne Zahl je Ziel ist keine Lösung, sondern ein Risiko. Belastbar wird es erst mit mehreren Größen, die dasselbe Ziel aus verschiedenen Richtungen messen — und mit der Bereitschaft, sie gegeneinander zu lesen.

Was in die Vorlage gehört, bevor sie gebraucht wird

Vier Angaben je Initiative, festgehalten beim Beschluss und nicht bei der Auswertung: das strategische Ziel, auf das sie einzahlt, der erwartete Wertbeitrag, die Bedingung für einen Abbruch, und die verantwortliche Person. Wer diese vier Angaben hat, beantwortet jede Beiratsfrage in einer Sitzung.

Die dritte davon ist die unbequemste und zugleich die wertvollste. Eine Abbruchbedingung verlangt schon beim Beschluss die Aussage, woran man erkennen würde, dass man sich geirrt hat. Wer sie aufgeschrieben hat, kann ein Vorhaben zwölf Monate später beenden, ohne dass dabei jemand sein Gesicht verliert. Wo sie fehlt, laufen Programme weiter, weil ihr Abbruch als Eingeständnis gelesen würde — und binden Mittel, die an anderer Stelle mehr Wirkung hätten. Die vierte Angabe klingt trivial und ist es nicht: Verantwortung, die über ein Lenkungsgremium verteilt wurde, lässt sich in einer Sitzung nicht befragen.

Genau dafür ist BizzPlAI als Strategy Execution System gebaut. Die Strategie kommt aus dem Unternehmen; das System hält fest, was beim Beschluss über eine Initiative erwartet wurde. Ziel, erwarteter Wertbeitrag und Abbruchbedingung bleiben ab dem Moment der Entscheidung auffindbar. Damit ist die Beiratsfrage zwölf Monate später beantwortbar, ohne dass jemand rekonstruieren muss, was man sich damals gedacht hat.

Der Unterschied zeigt sich in der Sitzung selbst. An die Stelle der Diskussion, ob ein Programm gut läuft, tritt eine über die Annahmen: Welche hat getragen, welche nicht, und was folgt daraus für die nächsten zwei Quartale. Das ist ein Gespräch, das ein Gremium auch ohne tiefe Fachkenntnis führen kann — was angesichts der Zahlen weiter oben der entscheidende Punkt ist.

Prüfen können Sie das vor der nächsten Sitzung. Nehmen Sie die drei größten laufenden Initiativen und schreiben Sie zu jeder auf, welchen Beitrag Sie beim Beschluss erwartet haben. Wo Sie das heute nicht mehr rekonstruieren können, wird die Frage nach der Wirkung im zweiten Jahr unangenehm — und zwar unabhängig davon, wie gut das Programm tatsächlich gelaufen ist.

Fangen Sie bei den KI-Vorhaben an. Dort klafft die Lücke zwischen berichtetem Wert und belegtem Beitrag am weitesten, dort steigen die Budgets am schnellsten, und dort wird die Frage als erste gestellt.

Häufige Rückfragen

Welche vier Fragen sollte ein Beirat zur Transformation stellen können?

Was hat es gebracht, was hat es gekostet, was hätten wir dafür gelassen, und woran erkennen wir Fortschritt in den nächsten 90 Tagen. Die ersten beiden beantworten die meisten Geschäftsführungen. Die dritte und vierte verlangen eine Zuordnung von Maßnahmen zu Zielen, die beim Beschluss entstanden sein muss.

Warum ersetzt eine Statusampel keinen Wirkungsnachweis?

Eine Ampel zeigt, ob ein Vorhaben im Plan liegt. Sie sagt nichts darüber, ob das Vorhaben auf ein strategisches Ziel einzahlt und in welchem Umfang. Ein Programm kann durchgehend grün sein und trotzdem keinen messbaren Beitrag leisten — beides wird an unterschiedlichen Größen gemessen.

Was ist Surrogation im Zusammenhang mit Kennzahlen?

Surrogation bezeichnet die Verwechslung einer Kennzahl mit dem Ziel, das sie abbilden soll. Führungskräfte behandeln die Messgröße dann so, als wäre sie das strategische Konstrukt selbst. Der Effekt fällt am stärksten aus, wenn auf eine einzelne Kennzahl vergütet wird, und deutlich schwächer bei mehreren Kennzahlen desselben Ziels.

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